Weltmeister 2014

Foto von Agência Brasil ([1]) [CC-BY-3.0-br], via Wikimedia Commons

Deutschland ist Weltmeister! Nach 24 Jahren mal wieder den Pokal gewonnen und den vierten Stern geholt. Danke, danke, danke! Das fühlt sich nun eine Woche nach dem sensationellen Finale im Estádio do Maracanã immer noch so unwirklich an. Zeit für ein persönliches und subjektives WM-Fazit. Bei dieser Weltmeisterschaft hat einfach alles gepasst. Gute Spieler in allen Positionen, ein toller Teamgeist, die richtige Taktik und der absolute Wille, das Spiel zu gewinnen, auch die schwierigen Spiele. Eistonnen-Merte brachte es nach nach der Zitterpartie gegen Algerien in seinem vielzitierten Fernseh-Interview auf den Punkt: „Was wollen Sie von mir? Wollen Sie eine erfolgreiche WM oder dass wir mit schönem Fußball ausscheiden?“ Wir wollten schön und erfolgreich – und das haben wir bekommen, wenn auch nicht immer.

Die Spiele.

Die Müller-Festspiele mit dem 4:0 gegen Portugal waren ein starker und perfekter Einstieg ins Turnier. Müller machte drei rein und Ronaldo machte ein langes Gesicht.

Dann kamen die Spiele, die nicht so geschmeidig liefen. Das Untentschieden gegen die unbequemen Ghanaer und der Arbeitssieg gegen die USA in der Vorrunde. Daraufhin die Algerier im Achtelfinale, die wohl das Spiel ihres Lebens machten und erst nach Verlängerung besiegt werden konnten. Im Viertelfinale dann die Franzosen, die von Hummels und Neuer nahezu im Alleingang besiegt wurden. Ein knapper 1:0-Sieg gegen ein wiedererstarktes Fußball-Frankreich in einem guten Spiel der Nationalmannschaft, bei dem sie sich sogar noch erlauben konnten, mehrere Hundertprozentige zu vergeben.

Die anderen großen Fußballnationen wie Titelverteidiger Spanien, Italien, Portugal und England waren zum dem Zeitpunkt längst zuhause oder im Strandurlaub.

Gegen Brasilien dann im Halbfinale die Schlandisierung der Fußball-Weltmeisterschaft: Mit einem unglaublichen und in seiner Höhe beinahe obszönen 7:1-Spektakel wurde der Gastgeber vom Platz gefegt. Sehr schade war, dass Superstar Neymar nach dem fiesen Tritt eines Kolumbianers im Viertelfinale nicht mehr spielen konnte, ich hätte Brasilien gerne in Bestbesetzung gegen Deutschland gesehen.

Das Finale gegen Argentinien war ganz großer Kampf und Dramatik. Ich war etwas nervös, weil Sami Khedira nach seinem Top-Spiel gegen Brasilien kurz vor Anpfiff noch wegen Wadenproblemen passen musste. Als Ersatz durfte Youngster Christoph Kramer ran, der zwar gut loslegte, aber alsbald derart hart ausgeknockt wurde, dass er mit Filmriss vom Platz gebracht wurde. Zum Glück brach jetzt nicht die große Verunsicherung aus, es gab ein paar gute Torchancen auf beiden Seiten (z.B. Kopfball von Höwedes an die Latte) aber das wars dann auch in der ziemlich defensiven regulären Spielzeit. Messi wirbelte zwar standesgemäß a bisserl rum, wurde aber weitgehend von Boateng neutralisiert und wenn nicht, hatten wir ja noch Manuel Neuer. Dann die Verlängerung. Die ganze Familie saß zittern vor dem Fernseher – bis zur Erlösung. „Zeige der ganzen Welt, dass du besser bist als Messi!“ soll Jogi Löws Anweisung an den Edeljoker Götze gelautet haben, den er noch kurz vor Ende der regulären Spielzeit einwechselte. Und so kam es dann auch, ein Traumtor in der 113. Minute, Deutschland ist Weltmeister!

Die Spieler.

Das war dieses Mal der perfekte Mix aus Erfahrung und Jugend. Ich halte es in meiner Euphorie wie die Zeitung mit den vier großen Buchstaben: Note 1 für alle 🙂

  • Neuer: Bester Torhüter der Welt, schüchterte durch seine Präsenz manchen Gegner ein und hielt die wichtigen Ergebnisse fest
  • Lahm: Top-Leistung des Kapitäns, egal auf welcher Position er eingesetzt wurde. Schade, dass er zurücktritt.
  • Hummels: Der Verteidiger, der nicht nur verteidigt, sondern auch trifft. Super Turnier, super Tor gegen Frankreich.
  • Höwedes: Vom seinem Ex-Trainer Magath geschmäht, lieferte er solide und verlässliche Abwehrarbeit und spielte alle Spiele, was mich als Schalke-Freund besonders freut. Was is nu, Magath?
  • Khedira: Kämpfte sich nach Kreuzbandriß sensationell zurück ins Team und spielte super. Beinahe heldenhafter Verzicht auf Endspieleinsatz wegen leichter Verletzung.
  • Kroos: Tolles Brasilien-Spiel mit 2 Toren, Real wird hoffentlich viel Freude mit ihm haben.
  • Özil: Hatte gute Momente, kam aber irgendwie nicht so richtig in die Puschen.
  • Schweini: Auf ihn war immer Verlass. Hat das Finale mit Gewinner-Tunnelblick  super gespielt, sogar kaputtgefoult und zusammengetackert.
  • Götze: Haut ihn im Finale rein, alles andere ist egal.
  • Müller: Unverzichtbare Tormaschine und Erfolgs-Garant, glänzte zwar nicht in jedem Spiel, haute aber 5 Tore rein.
  • Klose: Auf den altgedienten Turnierstürmer in seinem wohl letzten Turnier war auch dieses Mal wieder Verlass. 2 Tore und damit WM-Rekordtorschütze.
  • Poldi: Seine Zeit ist wohl abgelaufen, hat aber trotz geringer Einsatzzeiten immer gute Laune verbreitet.

Apropos Laune: Die muß im Team wirklich hervorragend gewesen sein. Auch bei den Spielern ohne Einsatzzeit, wie Döner-Spezialist Großkreutz. Bei der WM 2010 / EM 2012 waren wohl einige Spieler noch zu sehr mit Generationenkonflikt und Selbstpositionierung beschäftigt, dieses Mal hatten alle das gleiche Ziel: Titel haben will.

Das macht Lust auf mehr: Das Weltmeister-Kernteam ist längst noch nicht veraltet und es gibt eine Menge hoffnungsvolle Jung-Profis, die in den Startlöchern stehen. Und Reus wird auch wieder fit. Gute Voraussetzungen, um die Europameisterschaft 2016 in Frankreich anzugehen. Bei der nächsten Feier am Brandenburger Tor aber bitte auf irgendwelche albernen Tanzeinlagen verzichten…

Der Trainer.

Es gibt nur ein Jogi Löw! Einfach alles richtig gemacht. Seit 2006 konsequent drangeblieben, zuerst als Co von Klinsi beim damaligen „Sommermärchen“, dann als Cheftrainer mit eigenem Kopf – auch wenn das Millionen selbstberufener Bundestrainer oft nicht gepasst hat. Er hat immer sein Ding durchgezogen, egal welche Anmaßungen und Polemik von Berufsnörglern und ehemaligen Rumpelfußballern im Vorfeld und zum Teil auch während des Turniers via Presse und sozialen Netzwerken verbreitet wurde. Natürlich sind auch Fehler passiert – aber was soll´s, die Wahrheit liegt auf dem Platz. Mit einer Bilanz von 1x Weltmeister, 2x WM-Dritter und 1x EM-Zweiter ist Jogi der erfolgreichste Bundestrainer aller Zeiten. Er genießt und schweigt, eine Abrechnung mit seinen Kritikern hat er nicht nötig, das hat Format.

Der Gastgeber.

Danke Brasilien! Es war eine wunderbare Weltmeisterschaft – zumindest für uns TV-Zuschauer. Durch die Filter unseres öffentlich-rechtlichen TVs sah es so aus, als ob die riesigen Probleme des Landes ausgeblendet seien und alle nur so vor Lebensfreude sprühten. Bemerkenswert war, dass die meisten Brasilianer die historische Niederlage gegen Deutschland ziemlich gelassen nahmen und fortan einfach Deutschland unterstützten.

Viele Milliarden $ wurden investiert, um Brasilien als aufstrebende Wirtschaftsmacht zu präsentieren. Die Gewinne gehen größtenteils an die „schwindligen FIFA-Flöten“ (Opdenhövel). Das war schon immer so und ist keine Überraschung. Es bleibt zu hoffen, dass es im Land nun endlich mal um die Verbesserung der Lebenslage der einfachen Bevölkerung geht – glauben mag ich es nicht so recht, Olympia 2016 in Rio muss auch noch bezahlt werden.

Jetzt nochmal zwicken – Deutschland ist Weltmeister, auch noch eine Woche danach! Hier alle deutschen WM-Tore im Schnelldurchlauf:

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